Danke für deine Geduld - Monatsgedanken August 2011

Callcenter 2 (Foto: Andreas Bertram-Weiss)

Callcenter 2 (Foto: Andreas Bertram-Weiss)

Die nette Dame in der Leitung vom Swisscom-Kundencenter meldete sich wieder: „Danke für Ihre Geduld“. Sie hatte kurz bei der Filiale angefragt, ob das Teil vorrätig sei, und nun hatte Sie wieder mit mir Verbindung aufgenommen. Als sie noch einmal das Gespräch unterbrach, um eine Information einzuholen, meldete sie sich wieder mit: „Danke für Ihre Geduld.“ Etwas erstaunt fragte ich: „Haben Sie das jetzt neu so gelernt, sich mit diesem Dank zurückzumelden ?
Sonst ist es doch weit verbreitet, zu fragen: <Sind Sie noch da?> “. Sie antwortete lachend: „Ja, das gilt als unhöflich“. Das empfand ich auch so. Wenn ich bisher, ob bei der Krankenkasse, bei der Bank oder in der Sportabteilung der Migros gefragt wurde: „Sind Sie noch da?“, dann hätte ich am liebsten geantwortet: „Körperlich ja, geistig war ich jedoch aufgrund ihrer nervigen Musik zu 76% abwesend“. Als durch die Strasse laufender Handy-Benutzer hätte ich – frei nach einem Sketch aus der Sesamstrasse- entgegnet: „Eben war ich noch da, jetzt bin ich hier.“ Doch meist blieb es beim schlichten „ja.“
Die Frage, ob das Gegenüber noch da sei, wirkt ja zunächst negativ. Sie unterstellt, dass mit einer gewissen Möglichkeit zu rechnen ist, dass der andere das Gespräch abbricht, den Hörer neben das Telefon legt und davonläuft, weil wir den Gesprächspartner nicht sehen, oder die Leitungen aufgrund technischer Defekte unterbrochen werden.
Ich kenne es sonst so, dass man das Gespräch wieder aufnimmt und sagt: „Da bin ich wieder“. „Danke für Ihre Geduld“, das setzt ebenso voraus, dass der andere immer noch am Ende der Verbindung wartet. Und es betont, dass es nicht jemandes Verschulden ist, dass er warten musste.
Fragen wir nicht Gott auch manchmal: „Bist du noch da?“ - sei es aus Gedankenlosigkeit, oder aus der Annahme heraus, Gott habe die Verbindung unterbrochen oder das Mikro stumm geschaltet und ist einfach abgehauen.
„Danke für deine Geduld“, auch das ist ein guter Einstieg, um ein Gebet oder ein Gespräch wieder aufzunehmen.
Eine gute Verbindung und behütete Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Andreas Bertram-Weiss

Bereitgestellt: 20.07.2011