Routenplaner - Monatsgedanken Juni und Juli 2011
Radkarte (Foto: Andreas Bertram-Weiss)
Eine Landkarte mit lauter rot angemalten Strassen.
Pläne für den Seerücken? Die Route von Googlestreetview ?
So eine bemalte Karte verwahrt der Filmemacher Res Balzli in seinem Tresor auf. Er will am Ende seines Lebens jeden Meter Schweizerstrasse mit dem Velo befahren haben. Auf einer Karte von 1968 trägt er all seine Routen ein.
Manchmal fährt er aus kartentechnischen Gründen dreimal durch das gleiche Dorf. Er dokumentiert sein Unterwegssein. Jede Strasse in der Schweiz: Ehrgeizig? Mühsam? Er ist begeistert und entdeckt: prächtige Landschaft, lauschige Beizen und alte Dörfer. Und er bleibt Geniesser, bei Regen hört er auf. Den flachen Thurgau hebt er sich dabei auf, damit er ihn auch bei nachlassenden Kräften oder im Rollstuhl befahren kann.
Res Balzli startete mit seiner Idee vor vierzig Jahren. 40 Jahre ist eine lange Zeit. In biblischer Zeit war das ein Menschenleben. Der Weg kann für die ganze Zeit unseres Lebens stehen. Wie sehen unsere Landkarten aus? Auf welchen Strassen sind wir schon in unserem Leben gewesen? Da finden wir gewiss auch Umwege, Schlaglöcher, Baustellen, gefährliche Kurven und Glücksstrassen.
Wer begegnet uns unterwegs? Wer begleitet uns auf unseren Wegen? Lebensabschnittpartner, Familie, Freunde? 40 Jahre - so lange wanderte das Volk Israel in der Wüste. Mit allem, was dazu gehörte: Hitze, Wassermangel und Bedrohung. Vielleicht auch Langeweile? Es gab Ärger unterwegs mit Mose und untereinander. Mühsam rappelte sich die Reisetruppe immer wieder auf. Das Volk Israel war begleitet von Feuersäule und Wolkensäule, Tag und Nacht. Ein Zeichen der Gegenwart Gottes. Sie boten die Orientierung durch die Wüste.
Wenn wir nun im Sommer vermehrt auf Landkarten blicken oder Navi und Routenplaner konsultieren, dann planen wir wieder ein kleines Stück Leben.
Ganz gleich, was für skurrile Routenpläne oder Reisebegleiter wir haben – es lohnt sich, auch auf unseren diesjährigen Sommerwegen auf die Zeichen der Gegenwart Gottes zu achten. Es wäre schade, daran vorbei zu radeln. Denn es ist unser Leben, das wir unter die Füsse nehmen.
Gute Wege im Sommer
wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Gabriele Weiss