Unsere vier Glocken feiern bald gemeinsam 500 Jahre Gusstag. Sie können Sie sich ansehen und ihnen persönlich gratulieren, wenn beim Dorffest am 28. Mai der Kirchturm geöffnet ist.
Wie kam es zum nachträglich gebauten Kirchturm vor 125 Jahren?
Im Frühjahr 1885 war die Glocke auf dem Dach der Scherzinger Kirche zersprungen. Ein Konstanzer Glockenbauer hätte sie für 147.50 Fr repariert. Doch die Kirchgemeinde beschloss damals, eine Offerte für einen separaten Turm erstellen zu lassen. Am 26.8.1885 entschied eine grosse Mehrheit, für geschätzte 11`000 Fr. einen Kirchturm zu bauen. Die Ortsgemeinde war zudem bereit, die Turmuhr zu finanzieren.
Die ersten gelieferten Steine befand man für ungeeignet. Der Bauleiter wurde mehrmals unter Androhung einer Busse dazu angehalten, den Turmbau bis zum 1. Juli 1886 voranzutreiben. Auch waren die vier Ecktürmchen noch nicht bereit und wurden schnellstmöglich erstellt, bei der Renovation 1949 nahm man sie bereits wieder ab.
Für die Glocken wurden Angebote von Giessereien aus Aarau, Herisau, Unterstrass und Konstanz eingeholt, bevor Jakob Egger aus Staad einen Komplettpreis von 6000 Fr. für vier Glocken unterbreitete und den Zuschlag erhielt. Vor 125 Jahren, am 25. Juni 1886 wurden die Glocken gegossen. Sie bekamen die Namen Glaube, Liebe, Hoffnung und Frieden.
Der Musikdirektor Keller aus Frauenfeld lobte zunächst ihre Klangfarbe, Klangfülle und -schönheit, vor allem die zweitgrösste Glocke wäre gut gelungen. Zugleich bemängelte er, die Glocken würden schlecht harmonieren. Statt F-A-C-F gäbe es bei drei Glocken erhebliche Abweichungen um mehr als einen Halbton. Die kleinste Glocke wurde neu gegossen, nach mehrmaliger Korrektur und Begutachtung holte man die Glocken am 11. Oktober aus Staad ab. ?Den Kindern soll beim Aufziehen der Glocken eine Wurst mit Brot und Wein verabreicht werden?, steht im Protokoll. Da der Herbst schon fortgeschritten war, entschied sich die Kirchgemeinde für ein Einweihungsfest im folgenden Jahr. Die Gesamtkosten von 18`858 Fr sollten mit 1000 Fr pro Jahr bewältigt werden. Dem Bauleiter wurde die Busse erlassen, dem Glockengiesser 200 Fr zusätzlich zugesprochen. Zur Turm- und Glockenweihe am 21. August 1887 richtete das Festkomitee eine Feier für 600 Leute aus, die fast ausschliesslich aus Spenden finanziert wurde.
125 Jahre später werden am 22. Mai die Glocken den Festgottesdienst für unsere Konfirmanden wieder einläuten. Nach dem Dorffest am Samstag, 28. Mai, bei dem Sie sich die alten Damen ansehen können, laden wir Sie am Sonntag, 29. Mai um 20 Uhr zu einem
Konzert in die Kirche ein.
Eine behütete Zeit wünscht Ihnen
Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Hier finden sie noch mehr Informationen und Bilder zu den Glocken.