Luxus - Ferienzeit --- Monatsgedanken August 2010
Zeit (Foto: Andreas Bertram-Weiss)
In den Ferien lehnen sich die Menschen zurück und sagen sich: „Jetzt habe ich endlich Zeit. Jetzt geht es mir gut!“ Eigentlich schade, wenn dieser Gedanke nur so selten durch unseren Kopf schiesst. Ist denn in unserem Alltag wirklich so selten Luft? Was kommen denn für Zeiten auf einen zu, wenn wir gerade Ferien hatten? Wie geht die Bibel mit Zeitmangel um?
Lothar Zenetti hat Joh 6, 1-15 wunderschön übertragen. Die Jünger kommen zu Jesus und sagen: „Herr, schicke diese Leute fort. Es ist spät. Sie haben keine Zeit.“ „Gebt ihnen doch von eurer Zeit!“ sagt Jesus. „Wir haben selber keine. Und das, was wir haben, wie soll das reichen für so viele?“
Doch da war einer, der hatte wohl noch fünf Termine frei und dazu zwei Viertelstunden. Und Jesus nahm mit einem Lächeln die fünf Termine und die beiden Viertelstunden in die Hand. Er blickte zum Himmel, dankte und dann liess er die kostbare Zeit an die vielen Menschen austeilen.
Und siehe da, es reichte nun das wenige für die Vielen.
Am Ende füllten sie noch zwölf Tage voll mit dem, was übrig war an Zeit. Das war nicht wenig. Es wird berichtet, dass sie staunten. Denn möglich ist, das sahen sie, Unmögliches bei ihm. (leicht gekürzt)
Eigentlich ist diese Zeitgeschichte ja keine Wundergeschichte: Die viele Zeit ist ja da. Unser ganzes Leben besteht ja aus so vielen Momenten. In der Regel wird fremd bestimmte Zeit als unangenehm empfunden. Vielen werden aber auch die selbst gewählten Termine zu einem „Muss“: Sporttermine, Kaffeeverabredungen… Freizeitstress. In manchen Bereichen wollen wir zuviel und kommen so an unsere Grenzen. Vielen Dingen geben wir hohe Priorität. Es geht nicht nur um intelligentes Zeitmanagement, sondern auch um meine Einstellung.
Jesus nahm die freien Termine und dankte für die Zeit. In einem Gebet für meine geschenkte Zeit zu danken, schärft meinen Blick. Es macht meine Zeit wertvoller. Vielleicht gelingt es dann auch, die eigene Zeit so zu schätzen wie eine teure Ferienreise: als Luxus. Dann wären wir wirklich reich, auch im Alltag.
Einen dankbaren Blick für ihre Zeit
wünscht Ihnen
Pfarrerin Gabriele Weiss