Was ist das für ein Gruss? - Monatsgedanken Oktober 2020

H&auml;ndereichen <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;A.Weiss)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>6</div><div class='bid' style='display:none;'>1354</div><div class='usr' style='display:none;'>7</div>

Händeschütteln- das ist in den letzten Monaten eine seltene Geste geworden, exklusiv für die Allerengsten.
Die Alternativen sind das Kicken mit der Fussspitze, die Ghettofaust, der Ellenbogen oder ein asiatisches Verneigen.
Vermissen Sie den Gruss mit der Hand?
Was drücken die neuen Formen aus? Sind wir jetzt in einer Ellenbogengesellschaft? Faust und Fussgruss sind ja fast wie Boxen und Treten. Ursprünglich aggressive Gesten, die wir nun umdeuten.
Wenn wir uns die Hand geben, schauen wir uns automatisch in die Augen und nehmen einander wahr. Der Kontakt über die Hand ist ein Signal „wir sind einander freundlich gewogen“. Schau, es sind keine Waffen in meiner Hand.
Neue Namen kann ich mir über diese kurze Innehalten gut merken. Die Hand des Anderen bietet schon einen weiteren Anknüpfungspunkt. In dem kurzen Moment nehmen wir vieles unbewusst wahr. Die andere Hand sagt schon ein bisschen, wie es dem anderen geht. Ist sie warm, kalt, schlaff, verschwitzt, kräftig oder zart? Im Seniorenheim ist ein Hautkontakt manchmal das Einzige, was jemand noch wahrnehmen kann.

Schon wenn ich die Hand ausstrecke, signalisiere ich: „Ich möchte dich begrüssen.“ Jetzt müssen wir anders auf uns aufmerksam machen.
Es gehört derzeit zum guten Ton zu beteuern, dass mit den Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coroanvirus alles nur „anders“ sei. Ja, dass es interessant und gut wäre, neue Formen zu finden.
Also, ich vermisse das Händeschütteln fast schmerzlich. Ich habe noch keinen guten Ersatz gefunden. Ich hoffe, dass es bald wieder eine offizielle „Erlaubnis“ dafür gibt.

Was für ein Gruss ist das?
In der Bibel stammt dieser Satz aus den Gedanken von Maria, als ihr der Engel Gabriel begegnet. Sie ist verwundert, überrascht. Er begrüsste sie mit den Worten „Freue dich, du bist mit Gnade beschenkt, denn Gott ist mit dir.“ Auf Bildern wird Maria oft mit einem Besen dargestellt, als Zeichen dafür dass sie mitten aus ihrer alltäglichen Arbeit herausgerissen wird. Von einem palästinensischen Gruss hörte ich noch, bei dem jemand die Hand zum eigenen Herzen führt. Das sagt vielleicht „Du berührst mich. Du kommst mir nah!“ Ob das zu Marias Zeiten in Palästina üblich war?
Durch die Worte vom Engel wurde ihr mitten im Leben bewusst „Gott ist mit dir“.

Wenn es gelingen würde, das in einer Begrüssung zum Ausdruck zu bringen, wäre das wie eine kleine Andacht: „Gott ist mit dir!“ In unserem Abschied „Ade“ - eigentlich französisch „A Dieu“- steckt das „Gott sei mit dir“ sogar drin.

Mögen wir einander grüssen, wahrnehmen und uns wirklich begegnen.

Einen guten Oktober
wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Gabriele Weiss
Bereitgestellt: 02.10.2020     Besuche: 37 Monat