Worte wie Sterne - Monatsgedanken Juni/Juli 2020

Humor ist ... <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Andreas&nbsp;Bertram-Weiss)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>1340</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Seit kurzem fällt der Blick auf einen immer wieder anderen Spruch auf unserem Tisch. Da steht ein Kartenhalter mit Spiralbindung, in dem dreimal 50 Karten stecken. Auf jeder Karte ist ein Satzteil gedruckt.
Diese kann man beliebig kombinieren, so dass sich 125'000 Sätze ergeben, wie:

  • Unser Schulsystem ist / ganz objektiv / erst der Anfang.
  • Ein letztes Bier ist / theoretisch / das Ziel allen Strebens.
  • Religion ist / letztlich / alles, was bleibt.

Sie bieten Anregung, darüber zu reden. Findest du es auch sympathisch, logisch, Quatsch oder verstörend? Schon die drei Beispiele lassen sich auch anders kombinieren. «Religion ist theoretisch erst der Anfang. Ein letztes Bier ist ganz objektiv alles, was bleibt…» Die nächsten 100 Jahre hätten wir für jede Mahlzeit eine andere These. Zum Glück sprechen wir auch über Persönliches, die Schule, die Ferien oder ganz andere Dinge.

Verse geben Orientierung. Weisheiten wurden von einer Generation auf die andere weitergegeben. Sprüche bestätigen uns, oder sie wirken fremd. Sie regen zum Nachdenken an. Und oft prägen uns Sätze, die auch unser Verhalten bis ins hohe Alter bestimmen: «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not» ist so ein Spruch. Bei manchen führt dies dazu, dass sie nicht einmal in den Ferien sich einen Cappuccino gönnen. Heute fragen sich Finanzexperten, ob der Satz mit dem Sparen noch gilt, wenn Geldmenge und Schulden weiter vermehrt werden.

Ein Buch der Sprüche finden wir auch in der Bibel. In dem lese ich eher selten. Es stammt aus einer Zeit, in der eine gebildete Schicht ihre Weisheit den Jüngeren mitgab. Manches kann ich nachvollziehen, wie «Besser ein trockner Bissen mit Frieden als ein Haus voll Geschlachtetem mit Streit», Spr 17,1. Oder Vers 28: «Auch ein Tor, wenn er schwiege, würde für weise gehalten und für verständig, wenn er den Mund hielte.» Anderes finde ich schwierig oder lehne es ab.

Wichtiger finde ich Worte, die wie Edelsteine sind. Dazu zähle ich die «Ich-bin-Worte», die von Jesus im Johannesevangelium beschrieben werden: Ich bin der gute Hirte, der Weg, das Licht der Welt. Weitere Kostbarkeiten finde ich in Worten der Paulusbriefe. Sie bilden den reformatorischen Grund, auf dem wir stehen: Sie sprechen von Gottes Gnade, und dass uns nichts von seiner Liebe trennen kann (Röm 8,39), dass die Liebe von allem das Grösste ist, und sie bleibt, auch wenn unser Erkennen eher ein Puzzle oder Scherbenhaufen ist (1.Kor 13).
Diesen Schatz schlage ich in dieser Situation, in der sich vieles ändert oder in Frage gestellt wird, gerne auf. Wie früher die Kapitäne zur See sich an den Sternen orientierten, so gibt es auch in dieser bewegten Zeit Worte, die können wir nicht beliebig hin- und herschieben. Da brauchen wir auch nicht die ganze Schrift verstehen, nur ein paar Sätze, die uns Halt und Orientierung geben. Diese Zusage sollten wir als Kirche und als Christinnen und Christen auch weiter laut und offen sagen, selbst wenn das Feiern von Gottesdiensten untersagt wird.

Wir sind sehr froh, Sie ab Pfingsten (geändert 20.05) wieder im Gottesdienst begrüssen zu dürfen.
Eine behütete Zeit in diesem Sommer wünscht Ihnen
Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Bereitgestellt: 25.05.2020     Besuche: 30 Monat