15 Jahre Präsident Claude Ferrari - Monatsgedanken Mai

Claude Ferrari —  Präsident<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>69</div><div class='bid' style='display:none;'>1328</div><div class='usr' style='display:none;'>11</div>

Claude Ferrari: Präsident

Präsidiumswechsel zum 1. Juni 2020
Von Menschen und Reisen
Lieber Claude,
du warst 15 Jahre Präsident der Kirchgemeinde Scherzingen-Bottighofen. Wie bist du eigentlich an dieses Amt gekommen? Pfarrerin Carola Jost hat mich von der Schule her gekannt und gefragt, ja geradezu bearbeitet. Ich organisiere gerne und sah es als eine spannende Aufgabe an, die ich mir zugetraut habe. So war ich ab 2004 Aktuar und dann ab Juni 2005 Präsident. Was ist dir wichtig geworden in dieser Zeit? Ich hatte viele Kontakte mit unterschiedlichen Behörden und Ämtern. Ich lernte die Amtskollegen aus den anderen Kirchgemeinden kennen. Der Austausch war sehr interessant. Beim Kirchenrat fühlte ich mich immer ernst genommen und gut beraten. Dort war immer ein offenes Ohr. Mit der Zeit lernte ich, gewisse Sachen nicht so persönlich zu nehmen und mich zu entscheiden, ob ich etwas nah an mich herankommen lasse oder nicht. So konnte ich abstrahieren und anders reagieren. Worauf blickst du in deiner Zeit als Präsident gerne zurück? Für diese Zeit stehen für mich all die vielen persönlichen Beziehungen. Wir hatten viele schöne gemeinsame Anlässe, z. B. die jährlichen Mitarbeitendenanlässe. Ich habe mich gefreut, wenn ich mit der Vorbereitung auch das Bedürfnis der Leute getroffen habe und mir die Leute das rückgemeldet und auch gedankt haben. Gab es auch Unangenehmes in der Zeit? Negativ aufregend war es, als wir 2007 am Morgen der Konfirmation einen Stein fanden, der durch das schöne Glasfenster im Chor geworfen worden war. Da rief ich dann die Polizei an dem Sonntagmorgen.
Und als wir das Graffiti an der Friedhofsmauer hatten. Das haben wir sofort überstreichen lassen.
Hast du ein Lieblingslied? Da gibt es natürlich viele Lieder, die ich mag. Aber mit den Jahren gibt es auch Lieder, die mich wirklich zu Tränen rühren, wie «Tears in Heaven» von Cat Stevens. Wie bleibst du der Kirchgemeinde erhalten? Ich werde gewiss weiter im Besuchskreis der Kirchgemeinde bleiben. Da erlebe ich das Vertrauen der Menschen, wenn sie sich später noch- mal melden. Dann bin ich vorläufig noch in der Friedhofskommission und die Seniorenausflüge habe ich in guter Erinnerung. Die hatten auch ein gutes Echo.
Was bedeutet dir Kirche? Eigentlich bin ich nicht «kirchlich» oder besonders «religiös». Manche Leute sagen, gerade darum bin ich für die Aufgabe geeignet gewesen.
Ich bewundere Menschen, die gläubig sind. Selber bin ich nicht diesen Weg so gegangen.
Religiös heisst für mich so etwas, wie ich es bei einer Tante erlebte, bei der ich in der Seminarzeit gewohnt habe. Sie wollte, dass ich jeden Abend vor dem Zubettgehen mit ihr eine halbe Stunde bete. Sie drohte mir mit der Hölle, wenn ich mich nicht recht bekehre. Da sind wir dann aneinandergeraten. Ich habe ihr gesagt, dass es vielleicht gut sei, wenn wir nach dem Tod nicht am gleichen Ort seien.
Was bedeutet dir Kirchgemeinde? Kirchgemeinde bedeutet für mich, Menschen in einem anderen Rahmen zu begegnen. Dass Menschen einander Gutes tun, Freude haben und einander Freude schenken.
Du warst in der Musikkommission, welche Musikstile hast du gerne? Musikalisch bin ich breit aufgestellt. Ich besuche die verschiedensten Konzerte. Wenn aber ein klassisches Konzert sich wie Autolärm anhört, was ich neulich erlebte, dann gefällt es mir nicht mehr. Ich gehe genauso in die Tonhalle, wie ich die Musik von Udo Jürgens mochte. Und im Auto höre ich keine eigene Musik, sondern Radio, meistens SRF 3, wegen der Vielfalt.
Du hast dich in den 15 Jahren als sehr vielseitig gezeigt: als Verwaltungsmensch, als Bäcker, als Moderator, als Eventmanager. Interessiert und begeistert genossen auch die Seniorinnen und Senioren deine Reiseberichte aus aller Welt. Wie hat sich das mit dem Reisen für dich ergeben?
1981 bin ich ja mit meiner Familie nach Argentinien gegangen und habe eine Stelle an einer Schweizerschule in der Nähe von Bariloche angenommen. Als ich zurückkam, hatte ich gar nicht erwartet, dass sich bei den damals so teuren Flügen für mich wieder einmal eine Gelegenheit ergeben würde, das Land nochmals zu bereisen. Dann wurde ich von Bekannten nach Reisetipps gefragt, und die Reisebüros konnten meine Tipps oft nicht gut erfüllen. So wurde ich vor 25 Jahren selbst neben meiner Arbeit als Heilpädagoge mit einem kleinen Stellenpensum zum offiziellen Reiseunternehmer.
Hast du eine Art Lieblingsland? Ich mag nach wie vor Südamerika sehr gerne: Argentinien, Peru, Bolivien, Chile, auch Venezuela ist ein herrliches Land. Ich habe früher gesagt, dass ich bei
«Wetten dass» auftreten könnte. Dann mit der Wette, dass ich am Flughafen riechen kann, in welchem Land ich bin. Es zeigt sich auch, unter welcher Regierung ein Land gerade steht, wie offen, frei oder ängstlich die Menschen sind.
Was magst du beim Reisen? Ich habe ein breites Interessengebiet. Ich sehe gerne Neues, ob in der Natur oder kulturell. Dann fahre ich mit dem Auto umher und entdecke die Welt. Ich lerne verschiedene Menschen kennen, mit denen ich teilweise heute noch Kontakt habe. Mir kommt dabei zugute, dass ich nicht so ängstlich bin. Ich denke immer, zur Not kann ich noch weglaufen.
Wenn ich an den letzten Rückflug denke von Buenos Aires, am Freitag, den
13. März 2020. Am Morgen sind wir zurückgeflogen und am Abend gingen keine Flüge mehr. Nicht nur beim Reisen, ich habe viel Glück gehabt im Leben.
Was wünscht du für deinen Nachfolger Benni Zaugg? Ich wünsche ihm Offenheit. Dass die Aufgabe ihm gefällt, dass er Anerkennung erhält und dass er sich auf das Wohlwollen der Leute stützen kann. Dass die Menschen ihm erst einmal positiv gegenüberstehen. Meinem Eindruck nach ist das auch jetzt schon so.
Was wirst du ansonsten nun mit dem Mehr an Zeit tun? Das Reiseveranstalten bleibt noch eine Weile erhalten, aber ich werbe nicht mehr. Zurzeit organisiere ich noch den Fahrdienst für das Rote Kreuz.
Ich habe meine Familie, die Enkel, das Haus und den Garten. Da haben wir den Teich erneuert, die Molche rausgeholt und das Wasser wieder eingelassen. All das braucht auch seine Zeit.


Mit Claude Ferrari sprach Pfarrerin Gabriele Weiss









Bereitgestellt: 28.04.2020     Besuche: 38 Monat