Ein Kaffee mit Anneliese Jäger - Monatsgedanken April 2020

Anneliese Jäger<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>1314</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

In der guten alten Zeit, als wir noch einfach unter 2 Meter Abstand einen Kaffee trinken und uns unterhalten konnten, unterhielt sich Anneliese Jäger mit Pfr. Andreas Bertram-Weiss.
Anneliese, eine Menge Menschen hast du am Eingang zum Gottesdienst begrüsst, viele schätzen deine freundliche Art. Du warst jetzt ja 14 Jahre Mesmerin in unserer Kirchgemeinde, was ist dir leicht gefallen?
Das Blumenstecken macht mir grosse Freude, ich bin ja gerne draussen und im Garten. Und wenn mich Menschen etwas fragen, da habe ich ein offenes Ohr. Es sind so verschiedene Leute, mit denen ich zu tun hatte. Und wir haben hier mit der Psychiatrie auch ganz besondere dabei, dabei zu spüren, was sie wollen und brauchen. Auch das Reinigen der Kirche fiel mir leicht, wenn Josef Bannwart gleichzeitig an der Orgel spielte. Manchmal hat er mich auch gefragt, was ich für Stücke hören möchte, da habe ich gar nicht gemerkt, dass ich arbeite.

Was hat dir an der Arbeit als Mesmerin besonders gefallen?
Es ist so vielseitig, mit vielen Details, und ich kann es mir einteilen, das gefällt mir. Es ist wirklich eine schöne Arbeit gewesen. Und die Jahre sind wie im Flug vorüber gegangen. Einige Male war ich auch selbst auf der Empore und habe die Orgel ausprobiert, so ein bisschen die Register gezogen und gespielt. Ich mag ja Musik sehr, und auch diese Klangfülle – und wer hat schon eine Orgel als Instrument in seinem Haus?

Was sind für dich noch besondere Highlights gewesen?
Die ein oder andere Trauung waren schon berührend und sehr besonders. Am Anfang ist auch alles neu, und als einmal eine Braut von ausserhalb verspätet kam, da habe ich die Glocken über eine halbe Stunde läuten lassen. Dann war auch besonders der Gast, der im Kirchenfoyer übernachtete und uns auf Trab hielt. Über eine Woche quartierte er sich ein und hat sogar die Tür verbarrikadiert.

Auf welchen Vorfall hättest du auch verzichten können?

Meine Handtasche wurde mehrfach gestohlen, immer von dem gleichen Mann, der aber es selbst nicht merkt. Da bin ich auch selbst verantwortlich. Doch ich habe auch so ein Vertrauen, dass da nicht gross etwas passiert, auch im Haus habe ich mich sicher und wohl gefühlt.

Gibt es noch etwas, was dich besonders überrascht hat?
Wenn ich in der Kirche war, stand manchmal jemand einfach da und hat mir zugeschaut. Das war zuerst überraschend und etwas unheimlich. Da kommt dann jemand auf leisen Sohlen. Oder die Riesenschildkröte auf dem Rasen beim Friedhof, die sass da einfach und schaute mich an und war aus der Nachbarschaft. Und die Schafe neulich, die entdeckte ich, wie sie auf dem Friedhof grasten, die waren vom Hof weggelaufen und folgten mir, als wenn ich sie nach Hause bringen würde.

Hast du etwas vermisst?
Eigentlich nicht. Ich lasse mich gerne auf das ein, was da ist. Ich beobachte, dass an Feiertagen jetzt weniger Menschen die Kirche besuchen als vor 14 Jahren. Und manchmal denke ich, wenn die Leute wüssten, was sie in so einer Stunde so verpasst haben. Das ist so wie ein Boden für den Tag. Und dann hat man doch noch den ganzen Sonntag frei.

Hast du Pläne, wenn du nach Triboltingen ziehst, was hast du jetzt vor?
Pläne habe ich noch nicht. Ich schaue erst einmal. Erst einmal arbeite ich noch meine Nachfolgerin hier bis Ende April ein. Auch mache ich im Team vom Kirchencafé weiter und bleibe mit Menschen hier weiter verbunden.

Du hast ein besonderes Verhältnis zum Unkrautjäten, wie ich beobachten konnte …
Ja, das hat sich so ergeben. Unkraut zu zupfen ist wie ein schöner Ausgleich, es wird zu einer meditativen Aufgabe. Manchmal gehe ich nur für eine Stunde raus, und es verändert mich dabei.
Es erinnert mich an einen Mönch in einem Zen-Garten, der mit seinem Rechen Muster zieht, die der Wind dann wieder verweht.
So ist es ja mit vielem, was wir machen. Manchmal dauert es ein paar Momente, dann Stunden, Tage oder Wochen, dann sieht man es nicht mehr, und dann ist es wieder eine neue Aufgabe, die getan werden will.
Vielleicht ist das die Lebenskunst, die Vergänglichkeit anzunehmen und Freude und Zufriedenheit dabei zu bewahren. Ich freue mich, dass wir miteinander gesprochen haben und danke dir dafür.


Im Namen der Kirchgemeinde und der Vorsteherschaft danken wir Anneliese Jäger sehr für ihren Einsatz und wünschen ihr alles Gute im neuen Lebensabschnitt.

Alles Gute und eine behütete Zeit auch Ihnen,
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Bereitgestellt: 24.03.2020     Besuche: 50 Monat