Beton schwimmt - Monatsgedanken Oktober 2019

kanu<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>1278</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Aus Beton ein Boot zu bauen ist eine Herausforderung. Viele nehmen an, dass Beton nicht schwimmen kann. Das Prinzip des Archimedes lässt Beton schwimmen, wenn er genügend Auftrieb im Wasser erfährt.
Und so fand die 17. Betonkanu-Regatta dieses Jahr in Heilbronn (D) statt und bereitete den Teilnehmenden von Hochschulen und Universitäten viel Spass im nassen Element. Mit bunten und lustigen Motiven wurden auch die originellsten Boote neben den schnellsten vom Betonverband prämiert. Viele Bilder zeigen die Kreativität und Freude, das «Unmögliche» möglich zu machen: Beton schwimmt.

Seit jeher haben auch die ersten Christen die Kirche und die Gemeinde als Schiff oder Boot gesehen. Dabei scheint sie auf den ersten Blick wie ein Betonboot fest und starr zu sein, das mal durch ruhige mal durch stürmische Gewässer fährt. Wer genauer hinschaut, merkt auch, dass sie und ihre unterschiedlichen Formen flexibel und beweglich durch die Zeiten sich verändern.
Unsere Gesellschaft verändert sich, ist pluraler, d.h. vielfältiger, fliessender und flüchtiger geworden. Wir sind in der Postmoderne, d.h. es gibt eine Vielzahl von Lebensentwürfen und Stilen. Das beginnt schon mit den Musikstilen, wo seit jeher es unterschiedliche Geschmäcker gibt, bis zu Kleidung, Essen, Autos, Möbeln. Das gilt auch für die Vorlieben am Sonntagmorgen vom Aufstehen, Brunchen, Sport und Familienbesuch. Der normale Gottesdienst im «One-size»-Format spricht nur wenige an. Menschen mit verschiedenen Persönlichkeiten bevorzugen unterschiedliche Formen. Die eine will immer Anderes und Neues, der Traditionelle möchte das Alte, der eine will Abstand und passiv zuhören, die andere Nähe und sich aktiv einbringen.

Dinner for one?

Im August hatten wir einen Gottesdienst mit Abendmahl, da waren weitaus weniger Teilnehmende als die Zwölf von Jesus, was sehr schade war. In der Kartause Ittingen meinte zum Thema Kirchenentwicklung der Referent Christian Henneke: «Kirche ist wie Dinner for One – die Gäste sind zwar schon tot, aber wir spielen mal, als wäre es wie früher.» Wird es also bei uns wirklich ein «Dinner for one» geben? In dem bekannten alten Film bedient der Butler die 90jährige Miss Sophie an ihrem Geburtstag. Der Tisch ist gedeckt, wobei die anderen Gäste bereits gestorben sind, der Butler prostet aber an ihrer Stelle zu. Zum Glück haben wir kein Tigerfell in der Kirche, über das wir stolpern. Doch stellt sich die Frage: Feiern wir das Dinner weiter und tun so, als wäre es wie früher?

Halten wir an alten Strukturen fest und wollen mit Fantasie Beton zum Schwimmen bringen? Offenbar haben nicht so viele das Bedürfnis, am Morgen eines Sonntags Gott zu loben, zu singen, einen Moment still zu werden und ein paar anregende Gedanken mit für die Woche zu hören. Wie kann sich unsere Kirchgemeinde den Gewohnheiten unserer Gemeindeglieder anpassen, so dass sie «flüssiger» wird? Sollten wir Abschied nehmen von dem einen Boot, dem Gottesdienst für alle, und darauf vertrauen, dass in kleinen Einheiten Christus weiterwirkt? Verstehen wir uns dann als Inseln, oder Netzwerk, oder als einzelne Wanderer auf ihrem Lebensweg, die sich zufällig mit anderen treffen?
Wir sind auf der Suche und doch gemeinsam auf dem Weg, darüber nachzudenken.

Erfüllte Herbsttage wünscht Ihnen
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Bereitgestellt: 24.09.2019     Besuche: 77 Monat