Balkonien - Monatsgedanken Juni/Juli 2019

Balkonien S. Hofschlaeger_pixelio.de<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>48</div><div class='bid' style='display:none;'>1263</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

„Wir machen Ferien auf Balkonien“- so sagte immer eine Tante von mir, wenn es auf die Sommerferien zu sprechen kam. Sie bewirtschaftete mit ihrem Mann einen kleinen Hof. Ferien mit Wegfahren war sie nicht gewöhnt. Ferien, das war, wenn die Kinder keine Schule hatten.
Reisen machte sie zu Verwandten oder zu Familienfesten. Als Kind fand ich das zu wenig. Heute frage ich mich. „Wieviel Reise braucht der Mensch?“

Andere Menschen haben lange To-Do-Listen, wo sie nochmal hinmöchten. Was sie in ihrem Leben noch gesehen haben werden. Nicht umsonst gibt es ja diese Bücher, die beraten, welche 111 Orte,Wasserfälle oder Sehenswürdigkeiten man in XY gesehen haben muss.
„Wo fahrt Ihr hin?“ so fragen viele im Sommer. Und wer nicht wegfährt, hat fast einen entschuldigenden Ton. Wir vergleichen. Reisen können ein Prestigeobjekt sein wie das Auto, das Haus und die Erfolge der Kinder oder Grosskinder. Ich reise, also bin ich. So werde ich wahrgenommen.

Ohne mit dem, der nur hinter dem Ofen sitzt, verwechselt zu werden, denke ich, dass wir beim Reisen ein Umdenken brauchen. Gerade wenn wir an den Ölverbrauch und den CO2-Ausstoss unserer Reisen denken. Und auch beim Andersreisen oder Alternativreisen gibt es viele Tipps und Bücher. Pilgern ist ja die eleganteste Art. Dann laufen wir zu Fuss und nehmen wirklich alles mal anders wahr.

Nehmen wir nun aber mal Balkonien, als interessantes Reiseziel. Betrachten wir es wie eine Gegend in einem fremden Land.
Wie riecht es hier?
Welche Insekten fliegen hier rum?
Welche Vogelstimmen kann ich erkennen?
Welche Farbe hat heute der Himmel?
In unseren beiden Dörfern haben viele Balkone und Terrassen eine schöne Aussicht, interessante Insekten und gute Luft.

„Aber ich brauche einfach einen Tapetenwechsel“, sagt dann vielleicht mancher.
Denn was die Menschen in den Ferien suchen sind die Abwechslung, die Ruhe, die Entspannung, das Andere. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Ich reise ja auch. Nur dass der Alltag so in die Ferien drängt, warum ist das so? Und da könnte das Umdenken auch beginnen. Wenn wir den Balkon wie einen anderen Ort sehen, dann beginnt die Naherholung schon bei zehn Minuten. Und beim Planen muss es nicht wieder eine Flugreise sein.

Jesus war ja auch viel unterwegs- von wenigen Ausnahmen wie Esel oder Boot abgesehen wohl zu Fuss.
Er ging manchmal alleine weg vom Trubel, an einen einsamen Ort oder auf einen Berg. Dort hat er gebetet. Auch er brauchte Erholung, Aufatmen und Krafttanken.
Und dazu ist es auch heute nicht weit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommerzeit
Ihre Pfarrerin
Gabriele Weiss


Bereitgestellt: 16.05.2019