Alles gut - Monatsgedanken Mai 2019

NathanNeuseeland 272<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>48</div><div class='bid' style='display:none;'>1261</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Mit «Alles gut» ist viel gesagt, und nichts. Erst einmal drückt «Alles gut» ein Ja und Mut zum Leben aus.
Es erinnert an die ersten Worte der Bibel: «Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und sieh, es war sehr gut» (1. Mose 1,31). Annehmen, was ist, denn eine zweite Welt haben wir nicht. Damit wird eine optimistische Sicht und Hoffnung deutlich, die besser sind, als den Kopf in den Sand zu stecken.

Es kann auch bedeuten: «Ich lebe. Das ist schon mal was. Doch bitte frag’ nicht weiter, ich hab’ jetzt keine Zeit, möchte dich nicht damit belasten, oder mich nicht damit beschäftigen». Damit ist es eine höfliche Formel, um ein Gespräch zu beenden, das positiv mit einem Lächeln vorgebracht werden kann.

«Alles gut» ist auch gelogen. Wir wissen, dass vieles nicht gut ist. Es sterben weiter viele Tierarten, auch die nützlichen Bienen und Insekten, aber das Unkraut-Ex ist so praktisch. Kinder und Jugendliche demonstrieren, weil sie merken, dass es wochenlang nicht regnet und heisser wird. Und wenn die jungen Menschen wüssten, dass die Banken Geld aus dem Nichts schaffen, das Geld nur Papier oder noch weniger ist und Schulden nie zurückgezahlt werden können, so dass das Finanz- und Kreditsystem irgendwann platzt, aber es uns antreibt, immer mehr zu bauen, zu kaufen, zu investieren - auch und gerade in Waffen – weil Kriege gut für die Finanzen sind - dann würden sie nicht mehr in die Schule gehen. So wird «alles gut» zu einer Beschwörung: Es wird schon irgendwie weiter gutgehen!

«Alles gut» – heisst auch: «Ich weiss sicher darum, dass es die kleinen und grossen Wehwehchen gibt, aber vor dem Grossen erscheinen sie als Lappalie. Sonst ist alles okay. Ich weiss, dass meine wesentlichen persönlichen Bedürfnisse abgedeckt sind: Ich werde von dir gesehen, fühle mich zugehörig und verbunden, habe Kontakt, und das ist für mich bedeutsam, dagegen sind die Kopfschmerzen, die Verletzung durch ein unbedachtes Wort und all die Peanuts nicht so wichtig.» Damit wird es zu einer persönlichen Formel – die eine positive Bilanz zieht: Ich bin im grünen Bereich.

Als Menschen leben wir im Spannungsfeld – mit dem Leben verbunden, und zugleich uns entfremdet. Der Reformator Luther sprach von «gerecht und sündig zugleich». In diesem Sinn ist alles gut, weil für uns von Gott alles da ist: Der Grund ist gelegt. Wir sind mit Gott versöhnt, haben Zugang zu ihm als Gottes Kinder. Und doch leben wir in der Trennung, wenn wir uns von Gott getrennt erfahren, das Leiden der Welt und Formen des Bösen dazwischentreten.

Der Glaube in der christlichen Gemeinschaft hält ein Wissen darum, dass nicht für alles und alle in der einen Familie unserer Menschheit «alles gut» ist. Psalmen bewahren die Klage und den Schrei gegen Unrecht und brutale Macht. Die letzten Worte der Bibel wissen um das Unvollendete, das was der Heilung und Erneuerung bedarf. «Komm Herr Jesus», schreit die Bibel am Ende in Offb. 22,20, mit Blick auf den, der Anfang und Ende ist, in die neue Stadt einlädt und alles neu macht. Und hier zeigt sich ein tröstlicher und gewaltiger Horizont: Die Gewalt der Mächtigen endet einmal, wenn wirklich «alles gut» ist. Von dieser Stadt her scheint das Licht und klingt die Musik schon jetzt zu uns herüber.

Eine erfüllte Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss

------------------------
Amen
Sein oder Nichtsein
das bleibt hier die Frage

aus und vorbei
der grosse Knall
Supergau des Kosmos
die DNA-Programme abgestürzt
alles wird zunichte
Nein und Schluss

oder

finaler Akkord
die grosse Symphonie
wir sind am Ziel
du bist erwartet
alles wird gut
Ja und Amen

Sein oder Nichtsein
wer hat das letzte Wort

Andreas Knapp,
in: Tiefer als das Meer. Gedichte zum Glauben, Regensburg 2005
Bereitgestellt: 24.04.2019