Ein Paar Schuh - Monatsgedanken Februar 2019

auf weitem Raum<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>48</div><div class='bid' style='display:none;'>1069</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

„Ich brauche neue Schuhe!“ Was wäre der Grund, wenn Sie das sagen würden? Die alten Schuhe sind abgelaufen? Die letzten Schuhe drücken, weil sich der eigene Fuss verändert hat? Oder das neue Paar soll der neusten Mode entsprechen?
Zu Schuhen, ob Sportschuhe, Flipfops oder High Heels kann jeder etwas sagen. Jeder von uns besitzt mindestens ein Paar, wenn nicht vermutlich zwei, drei...

„Ihr verkauft den Armen um ein Paar Schuh!“ Das lässt an aktuelle Schuhfabriken denken, die in armen Ländern des Südens stehen und deren Arbeiter einen winzigen Bruchteil von dem erhalten, für was Schuhe bei uns gehandelt werden.

Tatsächlich ist der Spruch aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Der Prophet Amos (Amos 2,6 ) beschrieb so das Verhalten der Menschen in Nord- und Südreich von Israel. Ein Paar Schuhe waren damals Teil eines Landkaufs. Wer ein Stück Land erwarb setzte seinen Schuh darauf, um das Betreten des eigenen Besitzes symbolisch zu zeigen. Zur Zeit des Amos übten Grossgrundbesitzer Druck auf die Kleinbauern aus. Wer nach einem Ernteausfall in Schulden geriet, musste sehr schnell sein eigenes Land an den Kreditgeber verkaufen. Das Recht im Tor wurde von der Oberschicht beeinflusst, so dass die Kleinbauern als Tagelöhner oder Schuldsklaven auf ihrem früheren Besitz landeten und keine Chance erhielten, für ihre Rechte einzustehen. „Den Armen um ein Paar Schuh verkaufen“ spielte darauf, dass das Pfand- und Kreditrecht rücksichtslos angewendet wurde. Die ursprünglich recht gleiche Gesellschaft (Micha 2,1 „Ein Mann und sein Haus, ein Mensch und sein Erbbesitz“) geriet in massive Schieflage. Der Prophet forderte in Gottes Namen Gerechtigkeit ein.

Kann die Kritik des Amos denn in unserer Zeit greifen? Auch unsere heutigen Schuhe haben mit Gerechtigkeit zu tun.
Nun sind wir in der glücklichen Lage, dass wir Schuhe haben und auch sonst viele Möglichkeiten.
Das Wort mit den Schuhen kann uns daran erinnern, auf Fairness zu achten, wenn wir einkaufen. Dass bei den Produkten, die wir kaufen - seien es Schuhe, ein T-Shirt oder ein Päckchen Reis- die Produzenten einen fairen Lohn erhalten. Fairness kann auch bedeuten, ein Produkt nicht zu kaufen. Was brauche ich wirklich?

Damals war ein Stück Land die Grundlage, dass eine Familie überleben konnte. Wir leben in anderen Zusammenhängen. Unsere Nahrung und unsere Grundsicherung stehen meist nicht mehr in direktem Bezug zu dem, was wir auf Balkon oder im Garten ziehen. Amos regt uns an, unser Verhältnis zum Land zu überdenken. Sehen wir noch, dass es Boden sein kann für Nahrung? Oder denken wir in Asphalt, Beton, Siedlung oder Steingärten statt Wiese?

Blicken wir heute in Gegenden, in denen es heute noch Kleinbauern gibt, dann liegen sie im Süden unserer Welt. Es zeigen sich Parallelen zu der Ungerechtigkeit, die Amos beschreibt. Landgrabbing, Schuldenfallen, Missernten wegen der Klimaerwärmung treiben auch heute noch Menschen in Armut, in die Slums der Megacities, in Verzweiflung und zur Flucht. Das Heft der neuen Kampagne von „Brot für alle“ beschreibt Beispiele dazu aus verschiedenen Ländern. Und sie beschreiben Auswege. Menschen, die es schaffen, für ihr Recht einzustehen und wieder Hoffnung zu finden.

Gerechtigkeit ist ein Weg. „Du stellst meine Füsse auf weiten Raum“-das Psalmwort aus Psalm 31,9 gibt dieser Hoffnung Gestalt… Diesmal geht es um Füsse und das Laufen. Sie zeigen die Möglichkeiten, die wir haben. Wir setzen unsere Füsse, entscheiden die Richtung unserer Schritte. Gott gibt uns Freiheit und Verantwortung, Gerechtigkeit möge unsere Antwort auf diese Gabe sein.

Eine gute Zeit im Februar
wünscht Ihnen
Pfarrerin Gabriele Weiss
Bereitgestellt: 23.01.2019