Neu geboren - Monatsgedanken Januar 2019

Schneelandschaft<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>48</div><div class='bid' style='display:none;'>928</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Das neue Jahr liegt vor uns wie eine frisch verschneite Alp. Der Pulverschnee glitzert einladend in der Sonne, und über die Schneefläche ist noch niemand gefahren oder gelaufen.
Ich schaue auf meine Agenda aus Papier.
Es freut mich, auf so viele weisse unbeschriebene Tage zu blicken, auch wenn kurz darauf schon viele Termine eingetragen sind.

Was würde uns fehlen, wenn es keinen Jahreswechsel gäbe?
Ein neues Jahr erinnert mich: Wir sind darin frei, dass wir Vorsätze fassen können. Dass wir uns ändern, etwas unternehmen, lernen und planen wollen. Dass wir neu sehen lernen. Dass wir uns und andere neu sehen. Das neue Jahr lädt dazu ein, dass wir uns verändern – zumindest ein bisschen.

Menschen wollen lernen. Bis ins hohe Alter unternehmen Leute Reisen, besuchen Sprachkurse und bilden sich fort. Und es gibt genug Gründe, einmal etwas zu machen, was wir noch nie probiert haben: In einem afrikanischen Restaurant in Zürich mit Händen essen, oder vom 10-Meter-Turm ins Becken springen … oder mit 3 Metern anfangen.
Um das zu erreichen, was ich mir vornehme, ist es sinnvoll, es „SMART“ zu bestimmen: Dies bedeutet, mein Ziel sollte spezifisch, messbar, ansprechend, realisierbar und terminiert sein (die Abkürzung: smart).
Ein Beispiel: Bis Ende Januar melde ich mich bei der Klubschule für „orientalischen Tanz“ verbindlich an. Oder dreimal die Woche bis Ostern mache ich 10 Minuten die Rückenübungen.
Solche Ziele werden noch besser erreicht, wenn wir sie mit anderen teilen oder besprechen – und es feiern, wenn wir es geschafft haben.

Neujahr ist ein Neuanfang. Auch die Taufe ist im Christentum immer als eine Neugeburt verstanden worden, vor allem in der Frühzeit und bei den Täufern, als Erwachsene getauft wurden. Der alte Mensch stirbt, d.h. etwas von der alten Natur wird abgelegt, und ein neuer Mensch wird geschaffen. Und was in der Religion mit Vergebung der Schuld bezeichnet wird, hat seinen Ursprung in der biblischen Regel, dass im 7. Jahr ein Jubeljahr ausgerufen werden soll, bei dem alle Schulden erlassen werden. Menschen wird ihre Schuld nicht nachgetragen. Sie können neu anfangen, sie werden in einen neuen Stand gesetzt, neu gesehen. Sie kommen aus der Schuldknechtschaft frei. So sagte Jesus, dass auch wir einander vergeben, und auch die Schuld(en) vergeben.

Viele Dinge kann ich gut nachsehen. Doch habe ich meine Mühe, wenn es grosses Unrecht betrifft. Gerade war bei der Beerdigung von Präsident Bush senior zu hören, dass dieser ein „grosser Mann“ war. Er nutzte die Brutkastenlüge der Tochter des kuweitischen Botschafters vor der UNO als Kriegslüge, um den Irak anzugreifen. Vielleicht war er darin gross. Und wenn ich daneben alle US-Präsidenten sehe, die Angriffskriege auf andere Länder geführt haben, dann sitzen da die Kriegsverbrecher Obama, die Clintons, Trump und Bush junior. Mehrere tausend Tonnen Waffen aus abgereichertem Uran (u.a. von General Dynamics) haben sie im Irak, Libyen, Syrien und Kosovo eingesetzt, was schwerste Erbschäden bei Neugeborenen hervorruft. Das Wort „Kriegsverbrecher“ finden wir in unseren Nachrichten und Zeitungen dabei nie, auch nicht für Blair, May oder Sarkozy. Doch stellt nach den Regelungen der Vereinten Nationen ein Angriff auf ein anderes Land ein Kriegsverbrechen dar, das eine internationale Verurteilung erfordert.

Wo Millionen von Menschen von dem Westen seit dem 2. Weltkrieg in Kriegen, mit Finanzierung von Umstürzen und Sanktionen getötet wurden, da hoffe ich, dass wir unseren Blick wirklich frei machen von der Verblendung. Wir lassen uns diesen Zustand auch von SRF, Blick, NZZ usw. meist schönfärben und einen grossen Bären aufbinden.
Ich füge selbst das Wort „Kriegsverbrecher“ hinzu, bis jene vor einem internationalen Strafgericht verurteilt sind.

Bis dahin möchte ich uns weiter nahelegen, dass wir einander neu sehen lernen. Einen Neuanfang schenken, bedeutet auch, mich auf das neue Jahr, die neue Situation einzulassen. Der Philosoph Martin Buber meinte: "Trotz aller Ähnlichkeit hat jede lebendige Situation, wie ein neugeborenes Kind, auch ein neues Gesicht, das es noch nie gegeben hat und das auch nie wiederkehren wird.“
Geben wir uns die Chance dazu, eine realistische Veränderung und ein Ziel anzustreben, und uns mit neuen Augen zu sehen.

Ein gesegnetes Jahr 2019,
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Veröffentlicht: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 27.12.2018