Wem gehört dieses Haus? - Monatsgedanken November 2018

Spruch alleine<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>897</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Dies Haus ist mein
und doch nicht mein
Dem Zweiten wird
es auch nicht sein!
Dem Dritten wird
es übergeben,
doch er wird auch
nicht ewig leben.
Den Vierten trägt
man auch hinaus.
Nun sag` mein Freund
wem gehört dieses Haus?
Im hessischen Treysa fand ich in der Altstadt diesen Hausspruch.
Die Worte fielen mir auf. Meist betonen solche Haussprüche, wer nun dieses Haus gebaut hat. Es geht noch um Gottes Hilfe oder um den Dank an Gott. Dieser Spruch drückt das Vorläufige in unserem Leben aus:
Ich lebe hier nur auf Zeit.
Stellen Sie sich mal vor. Da käme jemand und sagte zu einem stolzen, frischgebackenen Hausbesitzer:
„Dein Haus gehört nicht dir!“ Gut, tatsächlich gehört es heute ja oft der Bank, aber würde es unabhängig davon nicht einen kurzen Stich geben?
Mein Haus soll nicht mir gehören?
Menschen, die ein Haus bauen oder kaufen, haben dabei ja bestimmte Absichten… und einer der Gedanken mag ja der Aspekt Sicherheit sein. «Ich weiss, wo ich hingehöre.» Ein anderer vielleicht die Gestaltung. «Hier darf ich mal bestimmen, wie es aussieht.» Vielleicht denkt jemand auch schon an Gäste: «In meinem Zuhause seid ihr willkommen.» Oder an Rückzug «Da kann ich mich verkriechen.» Oder für die mit dem Zweit- oder Dritthaus «So parke ich geschickt mein Geld».
Ein Dach über dem Kopf bietet Schutz vor Regen und Kälte. Mir fallen Häuser ein, wo das Schutzbedürfnis Überhand genommen hat, mit hoher Mauer, Sprechanlage und Kamera vor dem Anwesen.
Mit dem Hausbau verbinden wir Sicherheit. Im Leben wünschen wir uns Sicherheit vor gefährlichen Unwettern, vor schweren Krankheiten, vor menschlichen Tragödien. Das sind schon Sicherheiten, die kein Haus und kein Mensch bieten kann.

«Dies Haus ist mein und doch nicht mein.»
In Treysa dachte jemand beim Hausbau daran, dass er mal sterben wird. Und seine Kinder und uns erinnert er direkt mit daran. Merkwürdig. Sollte ein Hausbau nicht auf Zukunft aus sein, auf all das Grosse und Tolle, das noch zu erwarten ist: die fröhliche Kinderschar, die nette Nachbarschaft, die gesegnete Ernte im Garten?
Vergänglichkeit schwingt in diesem Spruch mit. Das Haus gehört nicht mir, weil ich einmal sterben werde und so auch alle Besitzer nach mir. Die Erben werden genauso sterben wie alle anderen Menschen. Eine ernüchternde Wahrheit.

Ob sich die Leute, die in Treysa dem Haus gegenüber wohnen, an diesen Gedanken gewöhnt haben?
Haben wir uns an diesen Gedanken gewöhnt?
Bei diesem Haus blieb ich stehen. Das Lesen dieses Hausspruches war mir eine kleine Andacht: «Was halte ich nicht alles fest in meinem Leben? Was ist für mein Leben wesentlich? Mitnehmen können wir nichts.»
Neben dem Spruch war ein Fenster. Es spiegelten sich ein Stück Himmel und das Haus gegenüber darin. Wie ein Wink, dass wir weiter in die Zukunft blicken können, einfach noch weiter als die nächsten Reisen, Geschäftstermine oder Geburtstage.

Im Hebräerbrief 13, 14 steht: «Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.»
Wenn wir wollen, kann uns das Fenster ein Blick in die Ewigkeit sein. Bei Gott haben wir ein Zuhause in der Zukunft.
Im ruhigeren November können wir uns Zeit nehmen und einfach mal stehen bleiben. Was entdecken Sie?

Ein gesegnetes Innehalten
wünscht Ihnen Pfarrerin Gabriele Weiss
Bereitgestellt: 21.10.2018     Besuche: 11 Monat