Sackmesser und Süssmost - Monatsgedanken Oktober 2018

im Wasser<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>887</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Platsch – da fiel das rote Messer mit dem Schweizerkreuz vom Ufer ins Wasser. Es war dort über 80cm tief, und Schlamm wirbelte auf, als ich es mit den Händen zu ertasten versuchte.
Zum Glück war es noch zugeklappt. Doch bekam ich es nicht zu fassen.
Nach ein paar Minuten brach ich ab. Wir gingen weiter.

Nach einer Stunde kamen wir wieder an die Stelle zurück. Das Wasser war inzwischen klar, und nach etwas Suchen sah ich das Rot zwischen Sand und Steinen leuchten. Erfreut steckte ich das Messer wieder ein.

Diese kleine Begebenheit erinnert mich daran, dass wir manchmal ziemlich viel Staub aufwirbeln. - Wenn er sich dann mal gelegt hat, sehen wir wieder klarer. Das kann eine Meinungsverschiedenheit sein. Oder eine Aufgabe zur falschen Zeit. Die gleiche Aufgabe geht nach einem Schlaf, einer Pause oder Spaziergang mit neuer Kraft viel leichter. Nach einiger Zeit fällt die passende Antwort ein, oder was mir wichtig ist.

Erst einmal tief durchatmen, so ein alter Ratschlag. Atmen ist immer gut. Und vielleicht bis zehn zählen.

Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh beschreibt, wie er Kindern eine Flasche Most einschenkte. Die Vierjährige Thanh Thuy bekam zuletzt ihr Glas. Das Fruchtfleisch wirbelte darin trüb umher. Angewidert verzog sie das Gesicht, weigerte sich zu trinken und ging hinaus zum Spielen. Eine halbe Stunde später, als Thich Nhat Hanh meditierte, hörte er sie nebenan rumoren. Die Kleine versuchte sich Wasser zu holen. Da erinnerte er sie an den Saft. Das Mädchen drehte sich um und entdeckte das Glas, in dem der Most klar und wunderbar gelb leuchtete.
Thanh Thuy trank das Glas halb leer und fragte: „Ist das ein anderes Glas, Onkel Mönch?“
Der Mönch antwortete: „Nein, es ist das gleiche, es sass für eine Weile still und ist nun klar und köstlich.“
Thuy blickte auf das Glas: „Es ist wirklich gut. Hat es meditiert wie du?“
Thich Nhat Hanh lachte: „Sagen wir, dass ich, wenn ich sitze, den Süssmost imitiere; das kommt der Wahrheit näher.“
Das Mädchen hatte intuitiv die Bedeutung erfasst, dass der Apfelsaft allein dadurch klar wurde, dass er geruht hatte.
In gleicher Weise werden auch wir, wenn wir in Meditation und Gebet ruhen, klar. Die Klarheit erfrischt und gibt Ruhe und Gelassenheit. Und sie gibt auch den Durchblick. Nicht immer lösen sich Probleme von selbst, dass das Sackmesser einfach da liegt und man es aufheben kann.

Gedanken wirbeln weiter umher, fliessen weiter wie ein Strom, Gefühle folgen nicht den Naturgesetzen des Fruchtfleischs. Und doch können wir sie wahrnehmen. Wie Sonne, die auf die goldenen Herbstblätter scheint. Und wir können innehalten nicht nur beim Sitzen, sondern wo wir zum Einkauf gehen, an der Ampel stehen oder Brot schneiden. Durchatmen hilft. Oder Innehalten am Abend, und sammeln, was den Tag wertvoll gemacht hat.

Eine friedvolle Zeit wünscht
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 20.09.2018