Urban Gardening - Monatsgedanken Juni/Juli 2018

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Auf der Strasse sah ich ein Plakat „ Stadtteilentwicklung Friedrichshain- Zwischennutzung von Baulücken“. Im Jahr 2001 war das mein Stadtteil in Berlin. Diese Baulücken noch aus dem Krieg waren bei mir um die Ecke. Es gab einige nicht gerade gepflegte Trümmergrundstücke. Heute stehen da so manche Gebäude mit hoher Rendite, aber damals war das einfach ein bisschen Wiese, Steine und leere Getränkedosen.
Ich wurde neugierig und ging zu dem Treffen. Viele Interessierte waren gekommen. Wir entwarfen in Gruppen Konzepte für die verschiedenen Baulücken. Meine Gruppe entwarf eine Gartenanlage mit schöner Liegewiese, Parkbänken und am einfachsten vielleicht Rollrasen, dann muss man nicht den jungen Rasen sprengen.

Zum nächsten Treffen kam dann eine Stadtverordnete und sagte: „Das könnt ihr so nicht machen. Wenn wir das als öffentliche Grünfläche anlegen, dann müssten man bei diesem alten Trümmergrundstück zwei Meter Erdaushub machen. Scherben wachsen nach oben. Rollrasen, Blumenrabatten und dann die Pflege der Gartenanlage, das wird zu teuer... das geht alles nicht.“
Der Masterplan wurde verworfen. Wir waren enttäuscht. Warum kriegen wir denn überhaupt kein Geld von der Stadtbehörde? Immerhin durften wir „zwischennutzen“.
Dann sagte einer der Studenten: „Wir kümmern uns nicht um diese Machbarkeitssache… wir fangen trotzdem an.“ Eine Nachbarin hatte zu viele Stauden in ihrem Schrebergarten, die brachte sie. Eine andere Nachbarin mit einem Auto kaufte für 20 Mark Blumenerde im Baumarkt und so fingen wir an einem Samstagmorgen an, nur mit einem kleinen Beet an der Ecke.
Kaum hatten wir angefangen, den groben Müll wegzuräumen und den Löwenzahn rauszuziehen, dann kamen auch schon die Nachbarn. „Was macht ihr da?“ „Was soll das geben?“ Wir hörten zwar auch ein „So ein Quatsch!“, aber das Meiste war positiv. Als wir am Nachmittag soweit fertig waren, sassen wir noch im Café an der Ecke. Es kam ein älterer Herrr aus der Strasse und sagte: „Ich pass jetzt auf euer Beet auf, dass da keiner was reinschmeisst.“ Und 20 Mark gab er uns auch. Da hatten wir gleich das Geld für die Blumenerde.

Für mich ist das eine Erfahrung für das, was oft im Leben gefragt ist. Der grosse Plan funktioniert nicht, und wir müssen einen Plan B entwerfen.
Als Jesus einmal ganz viele Zuhörer hatte, da machten sich die Jünger Sorgen, wie sie die alle satt kriegen sollten. Sie sagte: „Schick alle fort, damit sie sich was zu essen holen können!“ Jesus liess sich nicht darauf ein und sagte: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ „So viel Geld haben wir nicht.“, widersprachen die Jünger. Da sagte Jesus: „Wieviel Brote habt ihr?“
Sie werden den Ausgang der Geschichte kennen. Das was da war, reichte für alle. 5000 Menschen wurden satt. Jesu verwandelte den Kleinmut seiner Freunde. Durch Gottes Segen wurde etwas möglich, was im ersten Moment niemand gedacht hätte.
Diese „Speisung der 5000“ verbindet sich mit den Hoffnungsgeschichten unserer Zeit. Wenn wir sie als solche erkennen und einander erzählen, dann können sie eine zweite Wirkung haben. Hoffnung steckt an!

Eine gesegnete Zeit im Sommer
wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin
Gabriele Weiss
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 27.05.2018