Adam und Eva leben noch heute - Monatsgedanken April 2018

Bäume am Hugenottenweg in Hessen<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>837</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

„Do you speak English?“ so stand neulich eine Frau vor meiner Tür. Es war eine US-Amerikanerin, die über ihre Ahnen nachforschen wollte. Ob ich auch an „genealogy research“ interessiert wäre, fragte sie mich. Eine gute Frage! Eigentlich beschäftige ich mich eher mit dem JETZT. Aber im Nachhinein dachte ich darüber nach, was daran für jemanden wichtig sein kann.
Es stärkt die Identität, zu wissen, woher jemand kommt. Wenn man in den alten Kirchenbüchern blättert, dann lesen sich da Namen, die auch heute noch in unseren Dörfern Familiennamen sind und eben auch in Amerika. Aus dieser Gegend verliessen im 19. Jahrhundert viele Menschen Europa. Was für ein Schritt! Es gab vielfältige Gründe. Es waren wohl kaum alles Glücksritter, die auf Gold und Büffel aus waren. Vielleicht hatten diese Menschen ein bisschen mehr Mut oder sie hofften, in der neuen Welt ein besseres Auskommen zu finden. Migration aus Armut ist nicht erst ein Phänomen unserer Zeit. So entstanden viele Verbindungen der Menschen über den Erdball verteilt. Gemäss dem „Small World Phänomen“ kennt ja jeder jeden um 6 Ecken. Diese Studie zu Kontakten rund um die Welt ist schon aus dem Jahre 1967, also weit vor Emails und Linkedin.
Im Film „Willkommen bei den Hartmanns“ sagt ein Junge ganz locker „Wir kommen alle aus Afrika, Bro.“ Letztlich liegt die Wiege der Menschheit in Afrika. Diese Einsicht macht alle Menschen über die Jahrtausende zu Geschwistern.

Biblisch haben wir eine ähnliche Sichtweise. Der zweite Schöpfungsbericht aus Genesis 2 betont: Alle Menschen sind aus dem Gleichen gemacht. Adam meint hier keinen Männernamen, sondern betont den Ursprung des Menschen. Dem Hebräischen nachempfunden müsste es eigentlich „Erdling“ heissen. Denn „Adamah“ heisst Ackerboden. So stecken wir alle in dieser Schöpfungsgeschichte schon mit drin. Der weibliche Name „Eva“ bedeutet „Leben“ oder „Mutter aller Lebendigen“. Es wird also nicht von zwei konkreten Personen erzählt, die es im Garten Eden verbockt haben, sondern die Geschichte erzählt uns anhand dieses Menschenpaares etwas über uns, über unser Heute.

Mit dem Ursprung aller Menschen aus diesem gleichen „Menschenmaterial“ drückt die Bibel aus: alle Menschen sind Geschwister. Diese Schöpfungsgeschichte macht die Gemeinsamkeit der Menschen über den Erdball und über Jahrtausende hinweg bewusst. Wir sind alle eine riesige Menschenfamilie. Dieser Gedanke kann helfen Frieden zwischen den Völkern zu stiften.
Heute geschieht das Gegenteil: Oft werden Unterschiede betont. In den Medien werden neue Feindbilder zu anderen Völkern aufgebaut. Der Schöpfungsbericht erinnert an das Verbindende zwischen den Menschen:
Letztlich möchten alle Menschen, sich verlieben, ein gutes Auskommen haben. Alle kommen an Grenzen, scheitern und fangen immer wieder neu an. Alle werden irgendwann sterben.
Letztlich möchte jeder mit den anderen gut auskommen, und manchmal gelingt das leider nicht. So weckt das Stichwort „Familie“ auch nicht bei allen Menschen positive Assoziationen. Nicht jede Familie erfüllt die Grundbedürfnisse eines Menschen nach Angenommensein und Geborgenheit. Im guten Fall gelingt es Menschen später andere Verbindungen zu finden, die stärken: Freunde, Bekannte, Nachbarschaften.
Und damit sind wir wieder bei der Ahnenforscherin aus Amerika. Für mich ist Ahnenforschung ein Zwischenschritt, um mich letztlich den Menschen heute zuzuwenden. Das Wissen um die Verbindungen der Familien Hafen, Tobler oder Rutishauser mit Menschen in der ganzen Welt erweitert den Blick. Möge Gottes Segen zum Frieden führen für seine Kinder.

Eine gute Zeit im April
wünscht Ihnen
Pfarrerin Gabriele Weiss
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 15.03.2018