Ein Staatsverbrechen: Die Ermordung Martin L. Kings vor 50 Jahren - Monatsgedanken März 2018

Martin Luther King —  Die Hinrichtung des Martin Luther King. William Pepper<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>66</div><div class='bid' style='display:none;'>833</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

“Wenn ihr mutig und doch mit Würde und in der Liebe Christi kämpft, werden die Geschichtsschreiber künftiger Generationen einmal sagen: ‘Da lebte ein Menschenschlag, eine schwarze Bevölkerungsgruppe, die den moralischen Mut hatte, sich für ihre Rechte zu erheben. Und dadurch gab sie den Zeitläufen der Geschichte und der Zivilisation eine neue Bedeutung.’ Das ist unser Auftrag und unsere große Verantwortung.” (King 1955)
US-Behörden haben geholfen, den bekannten Pfarrer und Bürgerrechtler M.L.King am 4. April 1968 zu ermorden.
Zu diesem Urteil kam Ende 1999 ein Bezirksgericht mit Geschworenen in Tennessee im Prozess der Familie Martin Luther Kings gegen die USA. Das Schlussurteil fasst zusammen, dass staatliche Agenturen an der Tötung des bekannten Bürgerrechtlers vor 50 Jahren beteiligt waren: Scharfschützen und Kamerateams waren vorher auf den umliegenden Dächern postiert worden, die Polizei war vor Ort.

Der Rechtsanwalt William Pepper, ein Freund von King, hatte minutiös über Jahre Beweise gesammelt und Zeugen befragt. Er war von der Unschuld von James Earl Ray, der als Einzeltäter verurteilt wurde, so überzeugt, dass er einen neuen Prozess für die Familie seines Freundes anstrebte.
Eine wichtige Frage zur Aufklärung von Verbrechen bleibt die Frage nach dem Motiv. Welche Gründe hatten staatliche Stellen für Kings Ermordung?
King hatte zuletzt zu einem nationalen Marsch der Armen auf Washington aufgerufen und sich gegen den Vietnamkrieg gestellt, und er hatte vor, als Präsident zu kandidieren. Er konnte mit seiner Gabe Hundertausende Menschen versammeln. Sein Eintreten für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Forderung nach gleichen Bürgerrechten für Schwarze stellten für den Tiefen Staat, d.h. Einflussreiche mit Macht, eine Gefahr dar. Sie beschlossen, es sei für die USA besser, wenn er getötet würde, als dass eine Revolution ausbräche. Pepper: «Für einen hellen Moment in den späten 1960er Jahren dachten wir tatsächlich, wir könnten unser Land verändern. Unser Feind war hohl, doch wir hatten Substanz. Diese Substanz wurde durch die Kugel eines Mörders zerstört.»

Wenn Sie bis jetzt wenig oder kaum etwas darüber gehört haben, dann liegt das daran, dass Zeitungen und Fernsehen eine besondere Rolle dabei spielen. Ganz ähnlich wie die Ermordung J. F. Kennedys und seines Bruders wurde die Tat einem Einzeltäter angelastet, selbst als Zeugen und Tatumstände anderes belegten. Eine Depesche von 1967 des US-Geheimdienstes CIA an Politiker und Journalisten belegt, dass diese die Kritiker der Regierungsversion als Idioten und kritisches Nachfragen als Spinnerei darstellen sollen. Dieses CIA-Memo zur psychologischen Kriegsführung gab auch weitere Hinweise und führte das Wort «Verschwörungstheoretiker» als Kampfbezeichnung an. Er dient seither als Etikett für Medien, um sich mit Argumenten nicht auseinanderzusetzen.

Der 50. Jahrestag der Ermordung Kings lässt uns innehalten. Angesichts der Passionszeit und der Erinnerung des Leidens Jesu Christi zeigen sich Parallelen: Ein Gewaltloser, der mit seiner Botschaft sich Gehör verschafft und Widerstand weckt, wird von einer imperialen Macht getötet, auch wenn andere dafür vorgeschoben werden.
Und doch leben ihre kraftvollen Worte weiter, wie von King:
«Es wird eine Zeit kommen, in der man eine Position beziehen muss, die weder sicher noch beliebt ist, aber die man einnimmt, weil sein Gewissen einem sagt, dass es richtig ist. … Es wird eine Zeit kommen, in der Schweigen zum Verrat wird.»

Ihr Pfarrer Andreas Bertram-Weiss

Literatur:
- William Pepper, In der Schusslinie. Die wahren Hintergründe der Ermordung von Martin Luther King, 1988 .
- William Pepper, Die Hinrichtung des Martin Luther King, 2003 .
- William Pepper, The Plot to kill King, (engl.) 2016.

Filmdoku:
- Martin Luther King - Ein Staatsverbrechen (2004) - von Claus Bredenbrock u. Pagonis Pagonakis
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 10.02.2018