Mit Tieraugen - Monatsgedanken Februar 2018

Wespenspinne<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>66</div><div class='bid' style='display:none;'>829</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Im Museum K 21 in Düsseldorf gibt es eine Installation, die die Besucher begehen können. Im vierten Stock geht es los. Erst müssen alle einen Overall und rutschfeste Schuhe anziehen. Dann können sie in gut 20 Meter Höhe über dem Lichthof auf einem riesigen Netz herumklettern. Es gibt keinen doppelten Boden, das Netz ist sicherheitsgesprüft. Der Blick nach unten ist möglich.
„Traue ich mich, über dem Lichthof zu spazieren oder nicht?“
Oder vielmehr „Vertraue ich den Konstrukteuren?“
„Wem vertraue ich in meinem Leben…?“ solche Fragen gingen mir durch den Kopf.
Der Künstler Tomás Saraceno wollte gar keine Vertrauensfrage stellen.
Er wollte anregen, sich in eine andere Perspektive zu versetzen, in dem Fall in die Perspektive einer Spinne.

Ein schönes Unterfangen, aber ist das realistisch?
Denken wir an das Leben einer Spinne, wenn wir in luftiger Höhe auf andere Museumsbesucher herabblicken?
Menschen sind doch anders gebaut als Spinnen.
Den Schwindel oder die Todesahnung, die einen Menschen so hoch oben überkommen könnten, haben ja Spinnen genau nicht. Sie haben ihren Rettungsfaden im Hinterteil und sind zum Klettern und Spinnen geboren. Vermutlich gucken Spinnen gar nicht nach unten, sondern haben ihre Sinne im Netz, um ihre Beute zu erspüren. Oder sie sind besorgt, das Netz in Stand zu halten. Was empfindet eine Spinne angesichts eines Tautropfen in ihrem Netz?
Auch wenn ich mich mit dem Innern einer Spinne erst im Nachhinein beschäftigte, fand ich die Idee interessant, mich in ein Tier hineinzuversetzen. Wenn ich von einer ganz anderen Wahrnehmung ausgehe, können Menschen Tierempfinden überhaupt verstehen?

Es könnte trotzdem sinnvoll sein, zu versuchen eine Tierperspektive einzunehmen. Mir mal zu überlegen: Was geht jetzt in der kleinen Meise da in den Zweigen vor? Oder, was nimmt die auf sie lauernde Katze wohl war?
Zwischen Menschen ist das gegenseitige Verstehen und Hineinversetzen eine Gabe. Manche Menschen können das ganz gut, andere haben noch Entwicklungspotential. Gibt es Übungen dafür? So hörte ich mal von erfolgreichen Modellversuchen, dass eine Schulklasse regelmässig Besuch von einer Mutter mit ihrem Neugeborenen hatte.

Der Spinne ist das Vertrauen für ihr Netz in die Wiege gelegt- so nehme ich an.
In einem Menschenleben braucht es von Anfang an Vertrauen um zu überleben.
Was weckt Vertrauen, was hindert Vertrauen?

Die schnelle Übersetzung für das griechische Wort „Pistis“ ist Glauben. Es ist auch möglich, es mit Vertrauen zu übersetzen. Dann bedeutet es ein Vertrauen auf Gott.
Was für die Spinne ihr Netz ist, ist für uns Menschen etwas ganz anderes. Mögen wir das Vertrauen in unsere Lebensgrundlage haben.

Eine gute Zeit im Februar
wünscht Ihnen
Pfarrerin Gabriele Weiss
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 21.01.2018