Monster und Lichtblicke - Monatsgedanken Januar 2018

Lichtblick<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>813</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Es ist schon praktisch, dass wir in der dunklen Jahreszeit Festtage und Jahreswechsel feiern. Menschen auf der Südhalbkugel unserer Erde sehen das anders, sie haben gerade Hochsommer. Unser Kalender und die Feste wurden von Europa aus bestimmt. Angelehnt an alte Bräuche aus vorchristlicher Zeit um die Sonnenwende hat die Kirche heilige Tage gelegt und mit Sinn versehen. Heute hilft dies auch Menschen, die mit dem christlichen Glauben nicht so viel am Hut haben, den Winter zu überstehen.
Warum macht uns das Dunkle eher zu schaffen? Die Nacht ist die erste Tageszeit aus Sicht der Bibel. Der Tag beginnt mit der Abenddämmerung. Die Nacht war am Anfang - als Chaos und Finsternis herrschten und das schöpferische Wort die bewohnbare Welt herausgeholt hat. Mancher hat Angst vor diesem Chaosdunkel. Träume und das Hin- und Herwälzen von Gedanken machen ein Problem noch grösser. Kinder sehen die Gardine zu einem Gespenst werden, oder ein Möbelstück zu einem Monster. Sahen Sie auch schon mal im Dunkel draussen einen Ast als Schlange vor sich liegen? Auch wenn Sie wissen, dass es, zumal im Winter keine Schlangen bei uns gibt.

Die Dämmerung löst manche Panik auf. Morgenlieder danken für die Errettung, nicht nur vor dem Schrecken, sondern auch für die Bewahrung vor Gefahr. Die Finsternis lässt Hilfe noch ferner erscheinen. In der Nacht verriet Judas seinen Freund Jesus durch einen Kuss. Jesus kämpfte dann in der Nacht mit dem Alleinsein und dem Gedanken der Flucht. Jakob rang nachts mit einem Unbekannten, der sich am Morgen als Engel Gottes entpuppte. Das heisst, auch Gott kann uns in der Nacht fremd werden, und wir wissen nicht mehr, ob sein Angesicht uns hell erscheint, oder er unser Gegner ist, mit dem wir ringen.

Die Nacht ist auch die Zeit der Krise. In ihr wird ein Fieber durchlebt mit hoffentlich heilsamem Ende. In der Nachtzeit dürfen wir ruhen, und brauchen nichts zu tun. Im Schlaf dürfen wir in den Zustand vor unserer Geburt zurücksinken, wir werden mit neuen Kräften genährt, nicht nur am Körper, sondern auch an der Seele. Wir dürfen empfangen und geschehen lassen.
Es ist auch die Zeit, in der Gott spricht und handelt: In der Nacht wurde der Retter geboren, und es erschienen Engel den Hirten. Der gelehrte Nikodemus ging in der Nacht zu Jesus, weil er nach Antwort suchte. In der Nacht begleitete Gott als Feuersäule sein Volk. Und in der Nacht ist Christus zum Morgen hin auferstanden.

Die Zeit der Nacht und Dunkelheit kann manchmal lang werden. Da kommt es uns entgegen, wenn Feste und sinnliche Eindrücke das Dunkel unterbrechen. Lieder, Gerichte, Gerüche, Lichter und Bräuche füllen das Dunkel. Sie erinnern uns daran, dass das Dunkel einmal ein Ende hat, dass die Morgenröte einen neuen Morgen verheisst. Sie werden zum Zeichen dafür, dass Christus als Licht in die Welt kam (Epiphanias) und den Tod überwunden hat. Und dies meint wieder, dass letztlich kein Finsterling in unserer Welt das Gute und die Liebe verdrängen kann. Gott wird darin das letzte Wort haben.

Sicher kann man einwenden, dass wir wie alle Materie auch nur gefrorenes Licht und damit Wellen sind. Doch finde ich es als Mensch mit Augen und Sinnen doch sehr praktisch, dass wir auf der Nordhalbkugel in unserem Winter diese Feste feiern und eine Kerze anzünden können.

Und so wünsche ich Ihnen Gottes Segen und viel Lichtvolles für das neue Jahr.
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss

Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 27.12.2017