Baby Jesus - Monatsgedanken Dezember 2017

Mutter und Kind<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kircheamsee.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>5</div><div class='bid' style='display:none;'>811</div><div class='usr' style='display:none;'>6</div>

Zum Jugendtreffen „ Reformaction“ in Genf Anfang November kam der spanische Pantomime Carlos Martinez. Mit einigen Konfirmanden besuchte ich am Morgen seinen Workshop. Nach einigen Übungen bat er uns auf Englisch: „Nennt mir eine biblische Figur!“ Es war erst grosses Schweigen. Dann sagte ein Mädchen: „ Baby Jesus!“
„Wie soll das jetzt gehen?“, dachte ich. „Will er jetzt als Erwachsener Jesus als Baby spielen? Und wie sollen wir als Workshopteilnehmer das machen?“ Für Carlos Martinez war das eine leichte Aufgabe. Er sagte: „Look! You carry Jesusbaby in your arms!“ Da liefen dann gut dreissig Jugendliche und ein paar Leiter durch den Saal und stellten sich vor, sie hätten ein Neugeborenes auf dem Arm. Und nicht nur irgendein Kind, sondern Jesus. Aber während ich das Baby so auf meinen Armen wiegte, dachte ich: „ Es gibt ja auch keinen Unterscheid. Wenn Jesus nun ganz Mensch war, dann war er auch ein echter Säugling.“ Ein Baby, das Freude machte, ein Kind, das weinte und getröstet werden musste und ein Mensch, der verletzlich war. Die meisten bekamen ein freundliches Gesicht, während sie ihr Jesusbaby wiegten. Nach einigen Runden und Übungen fand die Gruppe dann eine neue Aufgabe: Ihr seid Mose… aber dann nicht im Schilfkörbchen.

Mich erinnerte diese Vorstellung, Jesus als Baby im Arm zu haben, an das „Kaschubische Weihnachtslied“ von Werner Bergengruen:

Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,
wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren!
Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen,
wärst auf Daunen weich gebettet worden.
(…)
Und wie wir das Herz dir schenken wollten!
Sieh, wir wären alle fromm geworden,
alle Knie würden sich dir beugen,
alle Füsse Himmelswege gehen.

Niemals würde eine Scheune brennen,
sonntags nie ein trunkner Schädel bluten, -
wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande,
wärst du, Kindchen, doch bei uns geboren!


In diesem Gedicht geht es um die Frage, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wo Jesus zur Welt gekommen wäre. Ob es Menschen gab oder gibt, die Jesus so anders auf den Arm genommen hätten, dass sein Weg anderes verlaufen wäre. Anders? Wie hätte es denn anders gehen können? Hätte seine Botschaft von der strahlenden Liebe Gottes bei den Menschen so ankommen können, dass es nie mehr Gewalt unter den Menschen gegeben hätte und die Natur des Menschen verändert hätte, so wie es die letzte Strophe vom Weihnachtslied schildert?

Wenn ich darüber nachdenke, dann merke ich, dass die Zeile „niemals würde eine Scheune brennen, sonntags nie ein trunkner Schädel bluten“ an die Möglichkeit von Gewalt unter den Menschen und letztlich an die Freiheit des Menschen anspielt. Wir wissen, Jesu Geburt hat die Gewalt auf der Welt nicht beendet. Und auch Jesu Geburt in einem anderen Landstrich hätte die Willensfreiheit des Menschen nicht verändert. Seine Botschaft der Liebe hätte Jesus auch woanders in Konflikt mit den Machtinteressen dieser Welt geführt. Mensch bleibt Mensch. Da gehören Krieg und Gewalt dazu. Wirklich? Damit ist die menschliche Freiheit nur halb erfasst, denn wir haben auch die Freiheit zum Guten. Und die Kraft der Liebe ist unterschätzt.

Die Pantomimeübung wurde mir zum Gleichnis. Als ich mir das Jesusbaby vorstellte, dachte ich an etwas, das ich schützen und wiegen möchte. Das zarte Baby appellierte an mein Gefühl, es erinnerte mich an die Fürsorge. So wie Gottes Liebe mich verändert, und ich von dieser Liebe weitergeben möchte. So erlebte ich in Genf einen Moment von dem, was Weihnachten bedeutet: Die Liebe Gottes entdecken und weitergeben. Ein Weihnachtsmoment, der sich auch an anderen Orten und bei anderen Menschen ereignen kann. Der Moment in dem Friede werden kann.

Eine aufmerksame Zeit im Advent wünscht Ihnen
Pfarrerin Gabriele Weiss
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 05.12.2017