Fehler und Helfer - Monatsgedanken September 2017

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Jubelschreie, Arme fliegen in die Luft wie beim Torjubel und fröhliche Gesichter - das verbinden Sie auch mit dem Wort „Fehler“, oder? Können Sie über Fehler lachen, ja sich sogar über Fehler freuen?
Nicht? Dann gehören Sie bestimmt zu denen, die sich erinnern: Die roten Striche am Rand des Schulheftes ermahnen - je mehr Fehler du machst, umso schlechter wird deine Note sein. Entsprechend schlecht hast du dich zu fühlen! Brennt dies uns von klein auf ein, Fehler sind schlechte Bewertungen?
Einige tragen dies ihr Leben lang mit sich herum. Ihnen kann die heruntergefallene Tasse auch noch Tage später den Tag verderben. Sie können ein Versehen anderer kaum nachsehen. In manchen Familien wird ein böses Wort noch Jahrzehnte nachgetragen.

Hingegen merken andere Menschen, dass dies nicht für das ganze Leben zu gelten hat. Oder sie merken, dass die Note überhaupt nichts mit ihnen zu tun hat. Sie können gut die Bewertung einer Arbeit von sich trennen. Fehler passieren halt und schleichen sich ein, auch im Leben: Ob ein falsch eingetragener Termin, ein vergessener und angebrannter Topf. Sie gehen grosszügiger mit sich und den Fehlern anderer um.

In einer Fortbildung spielten wir: Reihum wurden die Worte „Whiskymixer“ in die eine Richtung und „Wachsmaske“ in die andere gesagt. Bei jedem Versprecher sollten alle jubeln, die Plätze tauschen, und das Spiel begann von Neuem. Es war fast unvermeidbar, eine Runde ohne Fehler hinzubekommen. Andere Menschen heben die Arme, jubeln und freuen sich darüber. Der Effekt war verblüffend: Es machte richtig Spass, Fehler zu machen.

Bedeutet das, alle werden nachlässiger? An der Arbeitseinstellung hat sich nichts geändert, die Mails werden genauso beantwortet und Termine wahrgenommen.
Dieses Spiel ist auch nicht für Flugkapitäne, Mitarbeitende eines Atomkraftwerks oder der Chirurgie des Spitals weiterführend. Es gibt Bereiche, da können Fehler passieren und sind zugleich fatal. Zum Glück kommt meist niemand zu Schaden.

Und es ist sinnvoll, die Fehler sich in Ruhe noch einmal anzuschauen. Ein Fehler wird, wenn man zwei Buchstaben umstellt, zum Helfer. Er ist Anlass, sich zu verändern oder zu verbessern. Und doch können wir ihn leichter annehmen, oder über ihn lachen.

Dabei hilft es oft, Mitmenschen in die neue Sicht einzubeziehen.
So sass ich neulich beim Essen. Mir fiel ein Stück Gemüse mit Tomatensosse auf meine frische weisse Hose. „Schei..benkleister“ entfuhr es mir erschrocken mit Blick auf den Fleck.
Mein junger Tischnachbar sah es, riss jubelnd die Arme nach oben und rief in die Runde: „Fehler“. Und alle lachten. Ich atmete erleichtert auf.

In Kürze finden wir hier die von Jesus erzählte Geschichte vom verlorenen Sohn. Dieser macht auch Fehler. Und als er zurückkehrt, freut sich sein Vater über das Wiedersehen. Der Sohn hört keine Vorwürfe, sondern sie feiern ein Fest. Der mit dem Fehler wird zum Helfer. Er hilft uns zu verstehen, dass ein neuer Anfang möglich ist. Vor allem ermöglichen wir dies, wenn wir unsere Fehler und die von anderen leichter nehmen.

Eine fehlerfreundliche Zeit wünscht Ihnen
Ihr Pfr. Andreas Bertram-Weiss
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 20.08.2017