Monatsgedanken April

Ostern-Kreuz erhellt sich<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirchenweb.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>12</div><div class='bid' style='display:none;'>348</div><div class='usr' style='display:none;'>24</div>

Am Ende der Passionszeit steht das Kreuz!
Am Ende der Passionszeit steht das Kreuz!
Unterwegs durch die Passionszeit können wir dem Kreuz nicht ausweichen
An Kreuze haben wir uns gewöhnt. Sie stehen auf Friedhöfen und an Strassenrändern, sie hängen an Kettchen etlicher Zeitgenossen, sauber gearbeitet, wohlproportioniert und blankpoliert, golden, niedlich und süss. Dagegen lesen wir bei Paulus, wie er das Kreuz Christi als Ärgernis für Menschen, die sich für fromm halten, ansieht, und als Torheit für solche, die sich für weise halten (1. Kor. 1,18-31). Wenn ich mit dem Blick des Paulus die Passionsgeschichte lese, dann wird mir klar, wie da einer als Resultat eines Justizmordes fertig gemacht worden ist, weil er den Menschen Gottes Liebe nahe gebracht hat; und es ist hart, erkennen zu müssen, wie Gottlosigkeit und Tod den Sieg davontragen.
Beim Lesen der Berichte über die Kreuzigung in den Evangelien wird deutlich, wie die an und für sich schon unfassbar harte Marterung noch verstärkt wird durch die verhöhnende Überheblichkeit römischer Soldaten, die berauschenden Wein mit ungeniessbarer Galle vermischen und dem Sterbenden zum Trinken geben, und die die am Kreuz hängende Elendsgestalt mit dem abschreckenden Schuldspruch krönen: «Das ist der König der Juden!» (Matthäus 27,31-50). Und dann gibt es da auch noch Schmähworte von Mitgliedern der jüdischen Oberschicht, die im Geschehen ihr Urteil über Jesus bestätigt sehen und sogar die beiden mit ihm gekreuzigten Freiheitskämpfer lästern über ihn – ich halte mich an die wahrscheinlich älteren Berichte von Markus und Matthäus. Und so ist der Mensch, der den Menschen die Nähe Gottes angekündigt und gebracht hat, allein gelassen und ausgestossen.
Dieser Situation entsteigt dann auf einmal ungeheuer glaubwürdig der Schrei: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» – Und es gilt die Härte dieses nach Matthäus und Markus einzigen Wortes des Gekreuzigten, dem noch ein letzter wortloser Schrei des Sterbenden folgt, auszuhalten: Nicht nur die Menschen haben ihn verlassen, sondern auch Gott! Der Triumph des Bösen ist total.
Und genau hier, wo die Meinung dominiert, dass Gott und der Glaube am Ende sei – und die Meinung stimmt nirgends so sehr, wie hier – genau hier beginnt der christliche Glaube. Unser Glaube fängt an in jener Härte und Dunkelheit des Kreuzes, in jener Verlassenheit und Anfechtung, in jenem Triumph des Bösen und des Todes: «Keines seiner Worte glaubte ich, hätte er nicht geschrien: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Das ist mein Wort, das Wort des untersten Menschen. Und weil er selber so weit unten war, ein Mensch, der «Warum» schreit und schreit «Verlassen», deshalb könnte man auch die andern Worte, die von weiter oben, vielleicht ihm glauben. (R.O. Wiemer in «Ernstfall», 2. Auflage 1973)
Glaube erkennt, dass Gott am Menschen leidet, weil er diesen Menschen liebt. Dies geschieht ganz besonders am Kreuz, wo die Liebe Gottes zum Menschen von diesem endgültig abgewiesen wird. Die sensationshungrigen Zuschauer, die Gleichgültigen, die Sadisten, die führende Oberschicht, die von «höheren» Gesichtspunkten her dieses Geschehen als einen banalen politischen Kriminalfall ansieht, stehen für uns und unsere Welt, damals wie heute. Daran leidet Jesus. Überall hat er gepredigt, geheilt und gesegnet, damit die Menschen Liebe und Frieden – wahres Leben fänden und nun wird er abgewiesen, man wünscht diesen leidigen Störenfried nicht, man will weitermachen wie bisher. Und weil Jesus als Liebender das alles miterlebt, leidet er alles mit und wird zum untersten Menschen.
Jesus wäre nicht unser Bruder, wenn er nicht auch dieses Letzte erlitten hätte und er wäre nicht Gott, wenn er nicht den Tod überwunden hätte. Von Ostern her wird deutlich, dass der Gekreuzigte nicht von Gott verlassen und aufgegeben war, nein, der Vater war da; ja, er litt mit seinem Sohn und er bekannte sich zu ihm, indem er ihn auferweckte. Nicht von oben herab hat Gott auf das Kreuz heruntergeschaut, sondern von unten her war er dabei und hat mitgelitten mit seinem Sohn.
Nicht am Tode vorbei, sondern in der Konfrontation und im Durchgang durch den Tod will der Gott Jesu Christi unser Gott sein. Hier will er seine Schöpferkraft, die stärker als die Macht des Todes ist, sichtbar werden lassen. Gerade indem er dem Tod nicht ausweicht, ihn nicht von sich fern hält, sondern indem er sich ihm aussetzt. Alles Fliehen, Ausweichen und Verdrängen würde ja nur die Macht des Todes vergrössern. Doch der Gott Jesu Christi setzt sich dem Tod aus und bricht so dessen Macht. «Christus, von den Toten auferweckt, stirbt nicht mehr; der Tod hat keine Herrschaft mehr über ihn» (Römer 6,9).
Am Tode Christi erkennen wir, dass Gott für uns ist (Römer 8,31). Er beweist seine Liebe, indem er seinen Sohn hergibt in den Tod (Römer 5,8; 8,32; Johannes 3,16). Ohne diese Tat am Kreuz wäre Gottes Liebe abstrakt und leer; so ist sie jedoch eine tragende Wirklichkeit, so stark, dass wir erkennen, wie weit weg wir uns von dieser Liebe begeben haben und umkehren; so stark, dass uns selbst Sünde (Das Wort meint nicht unsere Fehler, sondern das Mindern und Zerstören der Beziehung zum Nächsten und darin zu Gott – hier meint es die Gesamtheit dieser Beziehungszerstörungen.) oder Tod nicht mehr von Gott trennen können.
Die Liebe Gottes erweist sich am Kreuz als ohnmächtig, das ist ihre Schwäche; ist aber zugleich ihre Stärke. Am Kreuz erleben wir, dass «Gottes Schwäche‘ stärker ist, als die Menschen» (1.Korinther 1,25).
Nicht die Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod geben dem christlichen Auferstehungsglauben seine Kraft, seinen Mut und seine Freude, sondern im Tod Gottes am Kreuz, wo Gott sich auf den Tod einlässt, erkennt der Glaube, dass Gott dem Tod die Macht genommen hat.
Pfr. Felix Marti
Autor: Andreas Bertram-Weiss     Bereitgestellt: 06.04.2017